Mann oder Trockner


Mann oder Trockner?

Zugegebenermaßen hört sich diese Frage im ersten Augenblick absurd an. Was können ein x-beliebiger Mann und ein ebensolch beliebiger Trockner gemeinsam haben. Weder kann ein Mann Wäsche schneller trocknen als ein Trockner, nachdem ihm auch nur die lang bewährte Methode des Wäsche Aufhängens, zur Verfügung steht. Und diese Methode ist geschlechtsneutral. Noch hat der Trockner irgendeine Fähigkeit des Mannes, also; Bier trinken, Fußball schauen oder im positiven Fall mit den Kindern spielen und die Kreditkarte zur Verfügung stellen.

Jeder der einen Haushalt mit Kindern tagtäglich zu beherrschen hat, weiß den Vorteil eines Trockners zu schätzen. Jeder der in einer kleinen Stadtwohnung wohnt weiß, dass die Kapazität der Möglichkeit zumWäsche aufhängen begrenzt ist, und daher ein Trockner unabdingbar. Die Jahre vergehen nicht nur in der Beziehung zum Trockner, sondern auch in der Beziehung zum Partner. Und wenn wir vom Standardbeziehungsfall ausgehen, Frau macht den Haushalt und Mann nicht, dann stellt Frau irgendwann fest dass ihr Kontakt zum Trockner häufiger ist als der zu ihrem Mann.

Und in jeder Beziehung gibt es irgendwann den Moment, bei dem die Frage; Mann oder Trockner? Die Ehefrau zumindest zum Grübeln bringt. Nein in letzter Konsequenz behält Frau dann doch den Mann, außer bei den Partnerschaften bei denen eh schon alle zu spät ist, aber bei zunehmender Kinderzahl und Beziehungsjahren gewinnt der Trockner und mit ihm alle Haushaltsgeräte die den Alltag des Haushaltsbesorgers leichter machen, immer mehr an Bedeutung.

In einer Gesellschaft in der immer mehr Frauen berufstätig sind, entweder weil sie es finanziell müssen oder weil ihnen ihre Arbeit einfach Spaß macht und die 17 Jahre Ausbildung auch nicht ganz umsonst gewesen sein sollen; in dieser Gesellschaft ist es immer noch so, dass die Frauen den größten Teil der Hausarbeit erledigen. In der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik hatten die Frauen dafür eine eigene Bezeichnung „Die zweite Schicht“ nannten sie dass bezeichnenderweise, diese begann nach Heimkehr aus dem Betrieb zuhause.

Auch die junge Generation unseres männlichen Nachwuchses drückt sich darum. Das sehe ich regelmäßig bei einem Blick in die Zimmer meiner Söhne. Allerdings weiß ich von Bekannten und Müttern von Töchtern, dass die Zimmer dieses pubertierenden Nachwuchses auch nicht besser aussehen als die der mänchlichen Nachkomenschaft.

Ist daher der Wunsch nach Ordnung und Sauberkeit im gemeinsamen Heim, vielleicht nicht eine Frage des Geschlechtes sondern eine Frage der Erziehung. Werden zukünftige Generationen in Dreck und Unrat hausen, weil wir als Eltern versagt haben. Der Blick auf den im Hintergrund zu sehenden Drehort manches YouTube Videos, lässt diese Befürchtung als real erscheinen.

Nicht zu verneinen ist jedoch die Tatsache, dass seit Jahrtausenden die Frauen sich um das Heim und die Kinder kümmern. Um wie in diesem Fall immer, die Steinzeit zu bemühen; einer musste ja raus gehen und das Wild jagen und einer zuhause bleiben und den Nachwuchs füttern und beschützen. Sicher einer evolutionärer Vorteil der menschlichen Rasse. Die Aufgabe der Aufzucht bei der Frau zu lassen, ergab sich logisch aus der hormonellen Bindung, die eine Mutter normalerweise zu ihrem neu geborenen Kind hat. Klappt nicht immer, dann nennt man das postnatale Depression. Außerdem ist das schnelle Verfolgen flüchtender Tiere nicht gerade lustig während der Schwangerschaft und ebenso nicht während der Menstruation.

Für mich erscheint die Wahl der warmen Höhle im Gegensatz zur gefahrvollen Outdoor Arbeit im ersten Ansatz durchaus als sinnvoll. Zumindest damals, leider hat sich im Laufe der Jahrtausende die Gleichberechtigung dieser Aufgabenteilung aufgelöst, sofern sie jemals vorhanden war. Die Männer haben aufgrund ihrer physischen Überlegenheit begonnen das Zusammenleben von Mann und Frau zu dominieren und die Regel dafür zu bestimmen. Im Zuge dessen wurde die Arbeit der Frau für die Familie und in der Folge auch das weibliche Geschlecht, immer geringer geschätzt.
In vielen Gesellschaften dieser Erde ist die Rechtlosigkeit der Frauen auch heute noch über Vollverschleierung, fehlendes Wahlrecht und des Verbotes ohne männliche Begleitung das Haus zu verlassen zementiert. Eingedenk der Schicksale dieser Frauen ist es wahrscheinlich ein Luxusproblem, sich über die Bedeutung des Trockners im Leben der Frau einer modernen Gesellschaft Gedanken zu machen.

In der westlichen Welt hat nicht nur die Emanzipationsbewegung, der letzten hundert Jahre, wenn man die Sufragetten Anfang des letzten Jahrhunderts dazu zählt, sondern vor allem der technische Fortschritt den Frauen die Hausarbeit erleichtert. Vor allem nach Ende des zweiten Weltkrieges hat die männliche Ingenieurskunst, die Hausfrau mit vielen Maschinen beglückt, die ihren Alltag erträglicher machen sollte.

Trotzdem stehen viele berufstätige Frauen, wahlweise mit einem Diplom, Bachelor oder Masterabschluss ausgestattet, vor diesen Geräten und fragen sich; Warum muß ich das eigentlich alles allein machen? Wie war das denn noch vor zwei, drei Generationen? Gab es da nicht Bedienstete für so etwas. Waren da nicht zumindest in den Arzt, Anwalt und Professoren Haushalten immer Angestellte für diese einfachen Tätigkeiten zu finden.
Ist es also der soziale Fortschritt mit seinen üppigen Transferleistungen des Staates, der dafür sorgt, dass niemand mehr gezwungen ist sich für einen Hungerlohn als Hausangestellte zu verdingen. Und dass selbst bei einem gut verdienenden Paar mit Kindern, das Engagement einer Haushaltshilfe eine finanzielle Herausforderung darstellt. Selbst wenn man sich auf dem Markt der osteuropäischen Hilfskräfte umschaut.


Nachdem unser Staat anscheinend für jedes soziale Problem eine Unterstützung anbietet, plädiere ich an dieser Stelle für finanzielle Leistungen an berufstätige Paare um neue Arbeitsplätze für Mitarbeiter im Haushalt zu schaffen. Das würde das Streitpotential in Beziehungen deutlich senken und die Frage; Mann oder Trockner? An Bedeutung verlieren.  

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